Dachentwässerung Teil 3

Dachentwässerung

Teil 3: Innenliegende Rinnen

 

© Copyright      Markus Friedrich Datentechnik
                        Bahnhofstraße 74

                        D - 15732 Eichwalde bei Berlin

 

Alle Rechte sind geschützt.
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Zustimmung des Autors.

 



Einleitung

In dritten Teil der Schriftenreihe Dachentwässerung möchte ich Funktion und Berechnung innenliegender Rinnen eingehend beschreiben. Hierzu sollten die Kapitel Entwässerungsnachweis, Regenspende, Abflussbeiwert und Notenwässerung des ersten Teils bekannt sein.

Bitte beachten Sie, dass die in diesem Heft gemachten Aussagen ausschließlich auf innenliegende Rinnen anwendbar sind. Insbesondere im Kapitel Notentwässerung sind die Aussagen nicht auf vorgehängte Rinnen übertragbar!

Hinweis: Die hier gemachten Aussagen repräsentieren einzig den Kenntnisstand des Autors. Sie erheben nicht den Anspruch auf rechtliche oder technische Korrektheit. Insbesondere können nicht alle Aspekte für die Planung und Prüfung von Entwässerungsanlagen erschöpfend behandelt werden.
Der Autor haftet nicht für Schäden, die aus der Nutzung dieser Broschüre entstehen!

Normen und Regeln

Bei der Erstellung von Entwässerungsnachweisen für Dächer mit innenliegender Entwässerung
sind zuvorderst folgende Normen bzw. Fachregeln zu beachten:

·         DIN 1986 – Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke
                  Teil 100: Bestimmungen in Verbindung mit DIN EN 752 und DIN EN 12056

·         DIN EN 12056 – Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden
                  Teil 3: Dachentwässerung, Planung und Bemessung

·         VDI 3806    Dachentwässerung mit Druckströmung

·         ZVSHK       Fachinformation: Bemessung von vorgehängten und innen liegenden Rinnen

·         ZVDH         Hinweise zur Bemessung von Entwässerungen

Die VDI-Richtlinie 3806 ist hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Druckentwässerungssysteme sind Sache von Spezialisten und werden in diesem Rahmen nicht behandelt.

Grundlagen

Innenliegende Rinnen werden, im Gegensatz zu außenliegenden Dachrinnen, meist handwerklich hergestellt. Daher ist i.d.R. eine individuelle Berechnung der Entwässerungsleistung erforderlich.

Da die Notentwässerung nicht über die Rinnenvorderkante erfolgen kann, muss die Notentwässerung innerhalb der Rinne oder am Rinnenkopf erfolgen. Dies bedingt eine zweite Wasserschicht, innerhalb der die Differenz aus Jahrhundert- und 5-Jahres-Regen fließt.

Oberhalb der Wasserschicht für die Notentwässerung muss ein Freibord verbleiben. Es nimmt Wellen auf, welche durch einschießendes Wasser und Wind gebildet werden. Zusammengefasst entsteht ein 3-Schichten-Modell mit folgenden Bezeichnern:

 

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Freibord = nicht Wasser führende Schicht

 

 

WNot = Schichthöhe für Notentwässerung

 

 

WKopf = Schichthöhe für Bemessungsrege


Bild 1: 3-Schichten-Modell

 

Die Bezeichnung WKopf wurde gewählt, da bei innenliegenden Rinnen die Notentwässerung oftmals über die Stirnseite erfolgt. In diesem Fall muss der Rinnenkopf (= Rinnboden bzw. Rinnenendstück) so hoch wie die untere Wasserschicht sein.


Die Schichthöhe W entpricht hierbei dem höchstmöglichen Wasserstand innerhalb der Schicht. In der Nähe des Ablaufes ist der Wasserstand deutlich niedriger. Betrachtet man eine Rinne entlang der Längsachse, ergibt sich folgendes Bild:

 

Bild 2: Wasserstandsverlauf in Rinnen, Kenngrößen

 

 

Die Kenngrößen haben folgende Bedeutung:

·         L    Fließlänge der Rinne

·         h    Anstauhöhe am Ablauf

·         W   Schichthöhe Wkopf oder WNot (siehe Bild 1)

 

Die Anstauhöhe am Ablauf h und die Schichthöhe W sind über den Druckhöhenfaktor Fh miteinander verknüpft. Die Formel für die Mindesthöhe kasten- bzw. trapezförmiger Rinnen lautet:

 

W = h / Fh         mit h     = Anstauhöhe am Ablauf in mm

                        Fh         = Druckhöhenfaktor
                                   = 0,1766 * (S/T)² - 0,3498 * (S/T) + 0,6458
                                      mit S = Sohlenbreite, T = obere Breite (siehe Bild 1)

Für Kastenrinnen (S = T) wird Fh zu 0,473. Setzt man diesen Wert, aufgerundet zu 0,5, in obige Formel ein, erhält man die Formel W » 2 * h. Anders gesagt: Die Schichthöhe in Kastenrinnen muss mindestens doppelt so hoch sein wie die Anstauhöhe am Ablauf.

 

Diese Betrachtung gilt nicht nur in der unteren Wasserschicht. Auch die Notentwässerungsschicht muss in diesem Sinne wie eine eigenständige „Rinne mit ebener Sohle“ betrachtet werden.
Auf diese 2 logische Rinnen wird anschließend das Freibord gepackt und das Ganze zu dem in
Bild 1 eingeführten Rinnenmodell.

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Entwässerungsleistung

Die Entwässerungsleistung einer Rinne ist abhängig von deren

1.                  Größe (Querschnittsfläche)

2.                  Form (Kastenform, Trapezform, Sonderformen)

3.                  Länge (entsprechend der Fließstrecken innerhalb der Rinne)

4.                  Gefälle

5.                  Verlauf (Richtungsänderungen)

 

Im Allgemeinen gilt:

zu 1.     Das Abflussvermögen steigt mit dem Querschnitt der Rinne

zu 2.     Tiefe Rinnen haben bei gleicher Nenngröße höhere Entwässerungsleistungen als breite Rinnen (höherer hydraulischer Druck).

zu 3.     Die Entwässerungsleistung sinkt mit der Rinnenlänge (Reibung senkt Fließgeschwindigkeit)

zu 4.     Gefällegebung erhöht die Entwässerungsleistung

zu 5.     Richtungsänderungen senken die Fließgeschwindigkeit und damit die Entwässerungsleistung

 


Die Entwässerungsleistung einer Rinne berechnet man in 2 Schritten:

1.)     Berechnung des (Grund-) Abflussvermögens QL anhand des Rinnenquerschnitts

2.)     Einrechnung der Rinnenlänge und Gefällegebung

Diese Zweiteilung hat den Vorteil, dass anhand von QL ein zum Regenwasserabfluss passender Rinnentyp gewählt werden kann, dessen Eignung im zweiten Schritt anhand Länge und Gefällegebung geprüft wird. Die Vorauswahl anhand QL erfolgt typischerweise mit Tabellen
wie z.B. Tab. 1 auf der nachfolgenden Seite.

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1.) Berechnung von QL

QL = 0,9 * 3,89 * 10-5 * Aw1,25 * FD * FS

mit        QL   = Abflussvermögen der Rinne in l/s
            AW  = wirksamer Rinnenquerschnitt (Höhe Wasserschicht * mittl. Rinnenbreite)
            FD   = Tiefenfaktor

            FS   = Formfaktor

Der Tiefenfaktor FD ergibt sich aus dem Verhältnis Rinnenhöhe zu -breite. Rinnen die eher hoch als breit sind haben ein relativ hohes Abflussvermögen, da der hydraulische Druck mit dem Wasserstand steigt. Halbrunde Rinnen verhalten sich fließtechnisch optimal, da das Verhältnis Füllhöhe zu Oberfläche ein Maximum annimmt. Leider sind halbrunde, innenliegende Rinnen baupraktisch schwer einzubauen. Das gilt leider auch für Kastenrinnen, die mehr hoch als breit sind. Anzustreben sind daher quadratische Rinnenquerschnitte bzw. Querschnitte, welche so hoch als möglich sind.

FD = ( W / T )0,25               mit        W = WKopf bzw. WNot
                                           T = obere Rinnenweite (siehe Bild 1)

 

Der Formfaktor FS ergibt sich aus dem Verhältnis Sohlenbreite S zu oberer Rinnenbreite T. Im Idealfall ist S = T was einem rechteckigen Rinnenquerschnitt (FS = 1) entspricht. Ansonsten handelt es sich um trapezförmige Rinnen, welche bei gleichem Rinnenquerschnitt AW schlechter entwässern.

FS = –0,0612 * ( S / T )4  + 0,1832 * ( S / T)3  – 0,2705 * ( S / T )2  + 0,2581 * (S / T )  + 0,8903

 

2.) Berechnung von Q

Um das Abflussvermögen einer realen Rinnen zu berechnen, muss noch deren Länge und Gefälle berücksichtigt werden. Dies geschieht durch Multiplikation mit dem Längen- und Gefällefaktor FL.

Q = QL  *  FL

Der Längenfaktor FL gilt für Rinnen, die mehr als 50 mal so lang sind wie die Sollwassertiefe W.
Er berücksichtigt die Reibungsverluste des Wassers an langen Rinnen. Für gefällelose Rinnen gilt
die Formel:

FL = 0,000001 * ( L / W )2  –  0,0015 * ( L / W ) + 1,062

Bei Rinnen mit einem Gefälle von mehr als 3 mm/m kann FL aus Tabelle 6 der DIN EN 12056-3 entnommen werden. Die nachfolgende Tab. 1 listet die Ablaufleistungen gefälleloser Kastenrinnen auf. Mit diesen Werten kann bei der Planung eine erste Auswahl getroffen werden, welche durch Multiplikation mit FL zum dann erst exakten Ergebnis führt. Anschließend wird die Unterteilung in die Schichten für den 5- und 100-Jahres-Regen sowie das Freibord vorgenommen.


 

Breite S

Höhe Z

Freibord

WKopf + WNot

Abflussleistung QL

50 mm

50 mm

25 mm

25 mm

0,22 l/s

60 mm

60 mm

25 mm

35 mm

0,43 l/s

80 mm

80 mm

25 mm

55 mm

1,14 l/s

100 mm

100 mm

30 mm

70 mm

2,05 l/s

150 mm

150 mm

45 mm

105 mm

5,65 l/s

200 mm

200 mm

60 mm

140 mm

11,60 l/s

250 mm

250 mm

75 mm

175 mm

20,26 l/s

300 mm

300 mm

75 mm

225 mm

35,45 l/s

350 mm

350 mm

75 mm

275 mm

55,88 l/s

400 mm

400 mm

75 mm

325 mm

82,05 l/s

450 mm

450 mm

75 mm

375 mm

114,41 l/s

500 mm

500 mm

75 mm

425 mm

153,37 l/s

600 mm

500 mm

75 mm

425 mm

184,05 l/s

700 mm

500 mm

75 mm

425 mm

214,72 l/s

800 mm

500 mm

75 mm

425 mm

245,39 l/s

900 mm

500 mm

75 mm

425 mm

276,07 l/s

1000 mm

500 mm

75 mm

425 mm

306,74 l/s

1250 mm

500 mm

75 mm

425 mm

383,43 l/s

1500 mm

500 mm

75 mm

425 mm

460,12 l/s

2000 mm

500 mm

75 mm

425 mm

613,49 l/s

Tab. 1: Entwässerungsleistung von Kastenrinnen

 

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Freibord

Die Höhe des Freibords ist von der Gesamtrinnentiefe Z (siehe Bild 1) abhängig. Es werden 3 Fälle unterschieden:

1.) Z < 85 mm                  Freibord >= 25 mm

2.) Z = 85 bis 250 mm       Freibord >= 0,3 * Z

3.) Z > 250 mm                 Freibord >= 75 mm

 

Sicherheitsfaktor

Laut DIN EN 12056-3 Punkt 4.2.2 und Anhang D sind Sicherheitsfaktoren immer dann erforderlich, wenn keine statistische Regenspende verfügbar ist. In diesem Fall müssen innenliegende Rinnen mindestens mit doppelter Sicherheit berechnet werden (Sicherheitsfaktor = 2).
Ist ein außergewöhn- liches Maß an Schutz erforderlich, muss mit  Sicherheitsfaktor = 3 gerechnet werden und die Notentwässerung muss den Jahrhundertregen alleine entwässern können.

 

Beispiele für Gebäude, die ein außergewöhnliches Maß an Schutz erfordern sind

·         Museen

·         Gebäude von herausragendem kulturellem Rang

·         Krankenhäuser

·         Rechenzentren sicherheitsrelevanter Anlagen

·         Gefahrgutlager...

 

Rechnerisch wird der Regenwasserabfluss mit dem Sicherheitsfaktor multipliziert. Die Formel für den Regenwasserabfluss bei nicht bekannter statistischer Regenspende lautet somit:

 

Q = r * C * A * SF         Berechnungsregenspende r : siehe DIN EN 12056-3 Tabelle 1

 

Übergang Rinne - Fallrohr

Der Übergang von der Rinne zum Fallrohr kann mit handwerklich hergestellten Einlauftrichtern oder industriell hergestellten Gullys erfolgen. Beide können innerhalb eines Sammlers eingebaut werden.

 

 

Handwerklich hergestellte Einlauftrichter

 

h = Druckhöhe am Ablauf

D ³ 1,5 * di

D ³ 2 * h

LT ³ D

 

Bild 3: Einlauftrichter

 

Die Einlauföffnung D (= Durchmesser in Ebene der Rinnensohle) handwerklich hergestellter Einlauftrichter sollte mind. 1,5 mal so groß wie der Innendurchmesser di der Fallrohrleitung sein und bei Freispiegelentwässerungsanlagen mind. 2 mal so groß wie die Druckhöhe h am Rinnenablauf.
Die Trichterhöhe LT muss mind. der Einlauföffnung D entsprechen. Unter diesen Voraussetzungen kann das Abflussvermögen wie folgt berechnet werden:

 

Q0 = ( D  *  h1,5  )  /  7500            mit     Q0     = Abflussvermögen des Ablaufs in l/s
                                                         D    = oberster Durchmesser am Ablauf in mm
                                                         h    = Druckhöhe am Ablauf in mm

Anmerkung: ein Laubfangkorb reduziert das Abflussvermögen um 50 %.

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Abläufe mit Gullys

Gullys als Abläufe innenliegender Rinnen verhalten sich wie Gullys einer Flachdachabdichtung.
Daher gelten die Aussagen aus dem Kapitel Anstauhöhe im ersten Teil dieser Schriftenreihe auch hier. Die Druckhöhe h entspricht der Anstauhöhe am Gully.

Doch Vorsicht: WKopf bzw. WNot müssen mind. 2 * h (siehe Kapitel Grundlagen, Bild 2).

 

Sammler (Wasserkasten)

Eine Besonderheit stellen vertieft eingebaute Abläufe dar. Über sogenannte Sammler, auch Wasser-kästen genannt, kann die Abflussleistung deutlich erhöht werden.
Rinnen mit großer relativer Breite sollten zur Erhöhung der Druckhöhe h mit Sammler gebaut werden.
In Rinnen mit einem Gefälle > 2 cm/m müssen Sammler eingebaut werden, da ansonsten das Wasser teilweise über den Ablauf hinwegschießt.

 

Bild 4: Gully an Sammler

Die Tiefe des Sammlers sollte mind. doppelt so groß wie die erforderliche Anstauhöhe h des Ablaufs sein. Die Breite des Sammlers sollte der Rinnenbreite entsprechen.


Entwässerungsleistung von Fallrohren

Die Entwässerungsleistung eines Fallrohres muss immer im Zusammenhang mit dem Übergang Rinne-Fallrohr und dem Übergang Fallrohr-Grundleitung betrachtet werden. In der Regel haben diese Übergänge mehr Einfluss auf die Entwässerungsleistung als das Fallrohr selbst.

 

In dieser Schrift gehe ich davon aus, dass die Grundleitung kein limitierender Faktor ist. In der Praxis kann man dies nicht zwingend voraussetzen!

 

Bei Fallrohren in Freispiegel-Entwässerungsanlagen geht die DIN EN 12056-3 von einem maximalen Füllungsgrad 0,33 aus. Hieraus ergeben sich die in Tab. 2 dargestellten Abflussleistungen.

 

Ein Laubsieb bzw. Laubfang im Übergang Rinne-Fallrohr halbiert die Abflussleistung von Rinnen mit nicht flacher Sohle. Bei Rinnen mit ebener Sohle kann eine Berechnung nach DIN EN 12056-3 Tabelle 7 erfolgen.

 

 

Nenndurchmesser

Abflussleistung

50 mm

1,7 l/s

70 mm

4,1 l/s

100 mm

10,7 l/s

120 mm

17,4 l/s

150 mm

31,6 l/s

200 mm

68,0 l/s

Tab. 2: Abflussleistung von Fallrohren bei Füllungsgrad 0,33

 

Tab. 2 gilt für runde und kastenförmige Rohre, da deren Abflussvermögen bei gleichem Nennmaß
in etwa gleich ist.

Tab. 2 gilt nicht wenn das Fallrohr in Teilstrecken sehr flach verläuft. Die Abflussleistung von Fallrohren mit einem Verzug < 10° muss wie bei Grundleitungen berechnet werden (siehe Tab. 3).

 

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Bild 5: Fallrohrverzug

 

 

Gefälle

                           Abflussvermögen in l/s
DN 60         DN 80        DN 100      DN 120      DN 150

5 mm/m

0,8

1,8

3,3

5,4

9,7

10 mm/m

1,2

2,6

4,7

7,6

13,8

15 mm/m

1,5

3,2

5,7

9,3

16,9

20 mm/m

1,7

3,7

6,6

10,8

19,5

30 mm/m

2,1

4,5

8,1

13,2

24,0

40 mm/m

2,4

5,2

9,4

15,3

27,7

50 mm/m

2,7

5,8

10,5

17,1

31,0

80 mm/m

3,4

7,3

13,3

21,7

39,2

100 mm/m

3,8

8,2

14,9

24,2

43,9

Tab. 3: Abflussvermögen von Rohren mit Gefälle < 10° und Füllungsgrad = 0,7


Notüberläufe

Notüberläufe für innenliegende Rinnen können mit erhöht eingebauten Abläufen/Gullys, Auslässen
am Rinnenkopf oder Auslässen an den Längsseiten der Rinne realisiert werden.

Notüberläufe an den Längsseiten sind nur in Ausnahmefällen wie hinter-Gesims-Rinnen oder direkt hinter Attiken liegenden Rinnen möglich.

 

Waagerechte Notüberlauföffnungen mit rechteckigem Querschnitt errechnen sich anhand der Formel zu Bild 12 in DIN EN 12056-3 (Achtung: Druckfehler in der Norm! Im Nenner steht 2400 statt 24000).

 

 

Bild 6: waagrechter, Rechteck-Notüberlauf

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Q = ( Lw * h1,5 ) / 24000

mit  Q    = Abflussleistung in l/s                       Lw = Breite des Rechteck-Überlaufs in mm
      h    = Druckhöhe am Überlauf in mm         W  = Sollwassertiefe der Notüberlaufströmung in mm
     

Der Innendurchmesser d bzw. die Durchlass-Höhe W des Notüberlaufs sollte >= 2 * h sein.

 

Runde Durchgänge können nicht direkt gerechnet werden. Verwenden Sie hierzu die Produktangaben vorgefertigter Durchgänge oder Bild 31 der ZVSHK Fachinformation „Bemessung von vorgehängten und innen liegenden Rinnen“.

Notüberläufe können auch mit erhöht eingebauten Gullys innerhalb der Rinne erstellt werden. Die Einbauhöhe entspricht Wkopf. Die Notentwässerungsgullys benötigen ein eigenes Rohrsystem und müssen ins Freie auf schadfrei überflutbare Flächen entwässern.

 

Besondere Beachtung gilt der Positionierung der Notentwässerungsgullys innerhalb der Rinne, da diese ein Hindernis für die Wasserströmung darstellen. Für die Berechnung ist der Querschnitt der Rinne an den betroffenen Stellen um das Doppelte der Gully-Querschnittsfläche zu verringern.

Auf die Gullys sollte aus dem selben Grund ein Flachkorb montiert werden, um den Strömungsquer- schnitt der Notentwässerungsschicht so wenig wie möglich zu verringern.

Gegenläufige Strömungen (siehe Bild 7) sind zwar zulässig, soweit möglich jedoch zu vermeiden, da Normen-Theorie und Fließ-Realität hier nur beschränkt zueinander passen.

 

                                                                                                                                             Flachkorb         gegenläufige                        Querschnittsverengung
                        verwenden                   Strömung

Bild 7: Fließrichtungen zu Gully und Notüberlauf, Verengungen


Musterberechnung

 

Vorgaben:        Schmetterlingsdach in Köln [r 5,5 = 312 l / (s*ha)]
                        Dachneigung: 10°

                        Sparrenlänge = 10 m, Dachbreite = Rinnenlänge = 15 m
                        Attika umlaufend (Länge = 4 * 10,2 m + 2 * 15,2 m), Breite = 0,40 m
                        Notentwässerung über Attikadurchlass am Rinnenkopf
                        maximale Rinnenbreite: 400 mm

 

 

 

 Bild: Schmetterlingsdach

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1. Schritt: Berechnung der wirksamen Dachfläche A

A          =  Dachfläche + Attikafläche
            =  (300 m²  * cos (10°)    +    (71,2 m * 0,4 m)
            =  295,44 m² + 28,48 m²
            =  323,92 m²

2. Schritt: Berechnung der 5-Jahres-Regenspende

Regenwasserabfluss     = (r 5,5 (Köln)      / 10000)  *  A
                                   = (312 l / (s*ha) / 10000)  *  323,92 m²

                                   = 10,11 l/s

 

3. Schritt: Berechnung der Notentwässerungs-Regenspende

Regenwasserabfluss     = [ (r 5,100 - r 5,5 ) / 10000 ]  *  A
                                   = [ (610 - 312 l / (s*ha)   / 10000 ] )  *  323,92 m²

                                   = ( 298 l/ (s * m²) / 10000 *  323,92 m²
                                   = 9,65 l/s

 

4. Schritt: Gully zur Ableitung der 5-Jahres-Regenspende (10,11 l/s) wählen

 

h [mm]

5

10

15

20

25

30

35

40

45

50

55

60

65

DN 70

0,2

1,1

2,0

3,1

4,2

4,9

5,5

6,5

7,5

8,5

9,5

 

 

DN 100

0,2

1,3

2,3

3,4

4,4

5,0

5,5

6,5

7,5

8,7

9,9

11,0

12,1

DN 125

0,6

1,2

1,8

2,6

3,3

4,5

5,7

6,7

7,6

8,2

8,8

8,9

9,0

Tab 4: Ablaufleistung in l/s für Anstauhöhen h von 5 bis 65 mm. Gully: SitaTrendy/Flansch.

 

Gewählt: 2 Gullys DN 100. Ablaufleistung 5,1 l/s bei Anstauhöhe h = 31 mm.

 

5. Schritt: Berechnung von WKopf

 

W = h / Fh         mit h = 31 mm (siehe 4. Schritt)

                              Fh =  0,1766 * (S/T)² - 0,3498 * (S/T) + 0,6458 = 0,473  [mit S = T = 400 mm]

WKopf = 31 mm / 0,473  =  66 mm

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6. Schritt: Berechnung der Notüberläufe

Gegeben: Breite des Attikadurchlasses = Rinnenbreite = 400 mm

Die Berechnung des Notüberlaufs erfolgt lt. Kapitel Notentwässerung mit der Formel

QNot      = ( Lw * h1,5 )  /  24000                mit LW   = 400 mm (Rinnenbreite)
                                                                 QNot = 9,65 l/s (siehe 3. Schritt)

hNot       = [ (QNot * 24000) / Lw ](2/3)
            = [ (9,65 l/s * 24000) / 400 ](2/3)
            = 70 mm

Für rechteckige Durchgänge gilt

WNot      >=  hNot / Fh                              hNot = 70 mm, Fh = 0,473 (siehe 5. Schritt)
WNot     >= 70 mm / 0,473 = 148 mm

Erforderlich ist ein Notüberlauf mit den Maßen: Breite = 400 mm, Höhe = 170 mm.

 

7. Schritt: Ermittlung Freibord und Rinnentiefe

Z    = WKopf + WNot + Freibord
      = 66 mm + 148 mm + 75 mm          WKopf + WNot + Freibord = Z  > 250 mm -> Freibord = 75 mm
      = 284 mm                                      (siehe Kapitel Freibord)

8. Schritt: Prüfung des Rinnen-Abflussvermögens in Schicht WKopf

QRinne    =  QL * FL          mit     QL   = 0,9 * 3,89 * 10-5 * Aw1,25 * FD * FS
                                                                                         
Aw  = WKopf *  T
                                                                                         
FD = ( W / T )0,25  =  (66 mm / 400 mm) 0,25  = 0,64
                                             FS = 1 (siehe Kapitel Entwässerungsleistung)
                                             FL    = 0,000001 * ( L / W )2  –  0,0015 * ( L / W ) + 1,062  =  0,9
                                                      mit L = 15 m / 2 = 7,5 m   W = 66 mm

 

QRinne         =  6,79 l/s   -> Abflußvermögen größer als halbe Regenspende (5,06 l/s  wg. 2 Gullys)
                              ->  Rinne ist ausreichend dimensioniert.

 

ACHTUNG:     Während des Jahrhundertregens ist die Druckhöhe über den Gullys >= WKopf + hNot =
66 mm + 70 mm = 136 mm !!! Ein Freispiegelentwässerungs-Gully mit DN 100 schlägt hierbei zu und es entwickelt sich eine nicht zulässige Druckströmung!
Eine praxisgerechte Lösung für dieses Problem ist dem Autor nicht bekannt.

 

9. Schritt: Prüfung des Rinnen-Abflussvermögens in Schicht WNot

Rechenweg: siehe Schritt 8 (WKopf durch WNot ersetzen, L = 15 m)

Ergebnis: QRnne Not  =  20,69 l/s  >= QNOT  -> Rinne ist ausreichend dimensioniert.

 

10. Schritt: Abwicklung der Rinne (inkl. 2 x Rückkantung) berechnen

Abwicklung = 2 * Z + T + 2 * Rückkantung = 2 * 284 mm + 400 mm + 2 * 20 mm = 1008 mm


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