Dachentwässerung Teil 3

Dachentwässerung

Teil 2: Außenliegende Entwässerung

 

© Copyright      Markus Friedrich Datentechnik
                        Bahnhofstraße 74

                        D - 15732 Eichwalde bei Berlin

  

Alle Rechte sind geschützt.
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Zustimmung des Autors.

 



Einleitung

Die Häufigkeit von Extremwetterereignissen in Folge des Klimawandels nimmt kontinuierlich zu.
Diesem Trend folgend, wurden die zugehörigen DIN-Normen und die Fachregeln der Berufsverbände überarbeitet und dabei deutlich komplexer.
Mit dieser Einführung möchte ich Ihnen einen Einblick in die aktuellen Normen und Regelwerke geben und darstellen, wie außenliegende Entwässerungssysteme geplant bzw. geprüft werden.

 

Hinweis: Die hier gemachten Aussagen repräsentieren einzig den Kenntnisstand des Autors. Sie erheben nicht den Anspruch auf rechtliche oder technische Korrektheit. Insbesondere können nicht alle Aspekte für die Planung und Prüfung von Entwässerungsanlagen erschöpfend behandelt werden.
Der Autor haftet nicht für Schäden, die aus der Nutzung dieser Broschüre entstehen!

 

Bitte beachten Sie, dass die in diesem Heft gemachten Aussagen ausschließlich auf außenliegende Entwässerungssysteme anwendbar sind. Insbesondere im Kapitel Notentwässerung sind die Aussagen nicht auf innenentwässerte Systeme übertragbar!

Normen und Regeln

Bei der Erstellung von Entwässerungsnachweisen für Dächer mit außenliegender Entwässerung
sind zuvorderst folgende Normen bzw. Fachregeln zu beachten:

·         DIN 1986 -  Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke
                  Teil 100: Bestimmungen in Verbindung mit DIN EN 752 und DIN EN 12056DIN EN 12056 – Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden
                  Teil 3: Dachentwässerung, Planung und Bemessung

·         ZVSHK       Fachinformation: Bemessung von vorgehängten und innen liegenden Rinnen

·         ZVDH         Hinweise zur Bemessung von Entwässerungen

 

Entwässerungsnachweis

Eine Dach-Entwässerungsanlage arbeitet immer dann korrekt, wenn das anfallende Niederschlags- wasser schadensfrei abgeleitet wird. Dies ist genau dann der Fall, wenn der Regenwasserabfluss des Daches geringer oder gleich der Ablaufleistung der Entwässerungsanlage ist.

Mathematisch ausgedrückt:       Q  <=  QAnlage

                                                               Q             = Regenwasserabfluss

                                                               QAnlage     = Ablaufleistung Entwässerungsanlage

                                                               Einheit:  Liter / Sekunde bzw. l/s

Der Entwässerungsnachweis gliedert sich somit in 3 Schritte:

1.       Berechnung des Regenwasserabflusses

2.       Berechnung der Entwässerungsleistung der Entwässerungsanlage

3.       Vergleich und Interpretation der Ergebnisse aus 1. und 2.

 

Der Regenwasserabfluss ergibt sich aus der Regenspende, der wirksamen Dachfläche, der Beschaffenheit der Dachoberfläche und evtl. einem Sicherheitsfaktor.

Die Entwässerungsleistung der Entwässerungsanlage ergibt sich aus der Gewichtung der Ablaufleistungen der an die Dachfläche angeschlossenen Entwässerungselemente.

 

Auf den folgenden Seiten werden zunächst die benötigten Parameter erläutert und daraus die Formel für den Regenwasserabfluss hergeleitet. Darauf aufbauend wird die Ablaufleistung von Regenrinnen und Fallrohren bestimmt sowie der Einfluß des Überganges Rinne zu Fallrohr erläutert. Abschließend folgt eine Diskussion bezüglich zusammengesetzter Entwässerungssysteme.

nach oben


Regenspende

Die Regenspende gibt diejenige Wassermenge an, welche in einem bestimmten Zeitraum auf eine Fläche herabregnet.


Für die Berechnung von Dachentwässerungsanlagen benötigen wir die größte Regenspende, welche, statistisch gemittelt, über einen Zeitraum von 5 Minuten alle 5 Jahre am Bauwerksstandort niedergeht. Diese Regenspende nennt sich r 5,5 und hat die Einheit Liter / (Sekunde * ha).

 

Im Anhang A der DIN 1986-100 sind die r 5,5–Werte von 88 deutschen Städten angegeben. Die Werte aller deutscher Städte sind im Computerprogramm KOSTRA-DWD-Dach enthalten (kostenpflichtig). Im Einzelfall können auch die örtlichen Behörden oder der Deutsche Wetterdienst in Offenbach erfragt werden, was allerdings ebenfalls Geld kostet.

Teilt man den je ha gültigen r 5,5-Wert durch 10000, erhält man die Regenspende je m². Diesen Wert multipliziert man mit der beregneten Fläche und erhält die Regenspende für das Dach. Die Norm spricht hierbei vom Regenwasserabfluss.

Doch Vorsicht: Mit der beregneten Fläche ist die vom Dach überdeckte Grundfläche gemeint, nicht
die Oberfläche der Dacheindeckung.

 

 

 

Grundfläche = Dachfläche * cos (α)

 

Beispiel 1:      200 m² Pultdach mit Dachneigung α = 30° in Berlin [r 5,5 = 371 l / (s*ha)]:

Regenspende = (r 5,5 (Berlin)       / 10000) * Dachfläche * cos (α)
                        = (371 l / (s*ha) / 10000) * 200 m² * cos (30°)
                        = 6,43 l/s

 

 

Neben der Grundfläche können auch aufgehende Wände die Höhe der Regenspende beeinflussen.
Für den seltenen Fall, dass Windeinfluss zu berücksichtigen ist, muss die auf das Dach entwässernde Wandfläche zur Hälfte auf die wirksame Dachfläche addiert werden.

Selbst bei Flachdächern sollte nicht vorschnell die Abdichtungsfläche zur wirksamen Dachfläche gesetzt werden. Attikaabdeckungen entwässern in die Dachflächen, ebenso Lichtbänder und evtl. auch Aufbauten wie Treppenhausbedachungen u.a. Diese Flächen sind der wirksamen Dachfläche hinzuzurechnen.


Abflussbeiwert

Die im vorigen Kapitel erläuterte Regenspende tritt nur für kurze Zeit, meist während eines Wolkenbruches, auf. Wird der Abfluss durch eine Kiesschicht oder eine Dachbegrünung verzögert, gelangt nur eine zeitlich gemittelte Regenspende zu den Dachrinnen.

 

 

nach oben

 

 

Die DIN 1986-100 drückt dies im Abflussbeiwert C aus.

 

Art der Fläche

Abflussbeiwert

Dachflächen

Betonflächen

Schwarzdecken (Asphalt)

Pflaster mit Fugenverguss
 
Kiesdächer

extensiv begrünte Dachfläche bis 10 cm Aufbaudicke

extensiv begrünte Dachfläche ab 10 cm Aufbaudicke

intensiv begrünte Dachfläche

1,0

1,0

1,0

1,0

0,5

0,5

0,3

0,3

Tab. 1: DIN 1986-100: Abflussbeiwerte (Auszug aus Tabelle 9)

 

Der Regenwasserabfluss Q eines Daches berechnet sich damit nach folgender Gleichung:

Q = (r 5,5  / 10000) * C * A         mit  Q       = Regenwasserabfluss in Liter / Sekunde
                                                   r 5,5     = Regenspende
                                                   C       = Abflussbeiwert
                                                   A       = wirksame Dachfläche

 

 

Sicherheitsfaktor

Laut DIN EN 12056-3 Punkt 4.2.2 und Anhang D sind Sicherheitsfaktoren immer dann erforderlich, wenn keine statistische Regenspende verfügbar ist. Entwässerungsanlagen auf besonders schützenswerten Gebäuden müssen dabei großzügiger dimensioniert werden als Dachrinnen an Einfamilienhäusern. Die DIN EN 12056-3 listet in Tabelle 2 div. Situationen der „Schutzbedürftigkeit“ auf und ordnet diesen folgende Sicherheitsfaktoren (SF) zu:

 

Situation

SF

- vorgehängte Dachrinne

- vorgehängte Dachrinne, überfließendes Wasser unangenehm (öffentl. Eingang...)

- innenliegende Rinnen

- Gefahr von Wassereinbruch bei Verstopfungen bzw. ungewöhnlichem Starkregen

- innenliegende Rinne, außergew. Schutz erforderlich (Museum, Krankenhaus...)

1,0

1,5

2,0

2,0

3,0

Tab. 2: DIN EN 12056-3: Sicherheitsfaktoren (Auszug aus Tabelle 2)

 

Rechnerisch wird der Regenwasserabfluss mit dem Sicherheitsfaktor multipliziert. Die Formel für den Regenwasserabfluss ohne statistische Regenspende lautet somit:

Q = r * C * A * SF         r : siehe DIN EN 12056-3 Tabelle 1


Entwässerungsleistung von Rinnen

nach oben

Die Entwässerungsleistung von Dachrinnen ist abhängig von deren

1.                  Größe (Querschnittsfläche)

2.                  Form (halbrund, Kastenform, Sonderformen)

3.                  Länge

4.                  Gefälle

5.                  Verlauf (Richtungsänderungen)

 

Im Allgemeinen gilt:

zu 1.     Die Entwässerungsleistung steigt mit der Nenngröße

zu 2.     Halbrunde Rinnen haben bei gleicher Nenngröße höhere Entwässerungsleistungen als   Kastenrinnen. Hintergrund: Wassertiefe geht stärker ein als Rinnenbreite.

zu 3.     Die Entwässerungsleistung sinkt mit Länge der Rinne (Reibung senkt Fließgeschwindigkeit)

zu 4.     Gefällegebung erhöht die Entwässerungsleistung

zu 5.     Richtungsänderungen senken die Fließgeschwindigkeit und damit die Entwässerungsleistung

 

Das Abflussvermögen einer Rinne berechnet sich aus deren Nenn-Abflussvermögen QN und den aus Punkt 3 bis 5 resultierenden Parametern. Zusätzlich ist ein Sicherheitsfaktor 0,9 zu berücksichtigen. Die Berechnungsformel nach DIN EN 12056-3 lautet:

 

Q  =   QN *  SF  *  FL *  FR

         mit     Q    = Entwässerungsleistung in l/s
                  QN = Nenn-Abflussvermögen in l/s
                  SF  = Sicherheitsfaktor 0,9
                  FL   = Dachrinnen-Abflussbeiwert
                  FR   = Richtungsänderungsfaktor

Das Nenn-Abflussvermögen QN einer Rinne kann im Test ermittelt oder nach DIN EN 12056-3 Punkt 5.1.2 bzw. 5.1.4 berechnet werden. Aus QN * SF entsteht das Abflussvermögen QL. Für handelsübliche Rinnen können die Ergebnisse aus nachfolgender Tabelle entnommen werden.

 

Form

Nenngröße

QN

SF

QL

Halbrund

200 mm

0,66 l/s

0,9

0,59 l/s

 

250 mm

1,24 l/s

0,9

1,12 l/s

 

280 mm

1,89 l/s

0,9

1,70 l/s

 

333 mm

2,98 l/s

0,9

2,68 l/s

 

400 mm

5,14 l/s

0,9

4,63 l/s

 

500 mm

9,62 l/s

0,9

8,66 l/s

Kastenform

200 mm

0,66 l/s

0,9

0,59 l/s

 

250 mm

1,18 l/s

0,9

1,06 l/s

 

333 mm

2,68 l/s

0,9

2,41 l/s

 

400 mm

4,46 l/s

0,9

4,01 l/s

 

500 mm

8,21 l/s

0,9

7,39 l/s

Tab. 3:   Nenn-Abflussvermögen QN und Abflussvermögen QL von vorgehängten
            Rinnen nach DIN EN 12056-3

 

 


Der Längenfaktor FL berücksichtigt neben der Rinnenlänge auch das Gefälle. Rinnen mit einem Gefälle von 3 mm/m oder darunter, werden als gefällelos betrachtet.
Für Rinnen, deren Länge weniger als das 50-fache der Sollwassertiefe beträgt (kurze Rinnen),
ist FL = 1. Für alle anderen Fälle entnehmen Sie den Faktor aus der nachfolgenden Tabelle oder Tabelle 6 der DIN EN 12056-3.

 

Typ
                   Gefälle

Länge

FL
0-3 mm/m

FL
5 mm/m

FL
10 mm/m

halbrund 250

4,0 m

0,97

1,02

1,09

 

6,0 m

0,97

1,02

1,09

 

8,0 m

0,90

1,05

1,27

 

10,0 m

0,86

1,07

1,37

 

12,0 m

0,83

1,08

1,46

 

15,0 m

0,78

1,24

1,55

halbrund 333

4,0 m

1,00

1,00

1,00

 

6,0 m

0,97

1,02

1,09

 

8,0 m

0,97

1,02

1,09

 

10,0 m

0,93

1,03

1,18

 

12,0 m

0,90

1,05

1,27

 

15,0 m

0,86

1,07

1,37

halbrund 400

4,0 m

1,00

1,00

1,00

 

6,0 m

1,00

1,00

1,00

 

8,0 m

0,97

1,02

1,09

 

10,0 m

0,97

1,02

1,09

 

12,0 m

0,93

1,03

1,18

 

15,0 m

0,90

1,05

1,27

 

 

 

 

           ! ACHTUNG !

Die Länge ergibt sich aus
der Fließlänge des Wassers,
NICHT aus der Einbaulänge
der Dachrinne!!!

Eine 8 m lange Metallrinne mit
Ablauf in der Mitte wird zu 2 Rinnen der Länge 4 m.
Eine 20 m - Rinne mit 2 Abläufen an den Rinnenenden und 1 Ablauf in der Mitte wird zu 4 Rinnen á 5 m.




nach oben


 

Tab. 4: Dachrinnen-Abflussbeiwerte FL für halbrunde Rinnen

 

 

Der Richtungsänderungsfaktor FR muss immer dann auf 0,85 gesetzt werden, wenn die Rinne Richtungsänderungen von mehr als 10° besitzt. Ansonsten ist der Faktor = 1,0.

 

Damit haben wir alle Werte und Parameter bestimmt, die für die Berechnung einer vorgehängten Rinne benötigt werden.

 

Beispiel 1:       Pultdach in Köln [r 5,5 = 312 l / (s*ha)]
                        Dachneigung: 45°
                        Sparrenlänge = 10 m, Trauflänge = 15 m
                        Gefälle: 0 mm/m, 1 Fallrohr am Rinnenende

 

1. Schritt: Berechnung der Regenspende

Regenwasserabfluss     = (r 5,5 (Köln)      / 10000) * (wirksame Dachfläche)
                                    = (312 l / (s*ha) / 10000) * (150 m² * cos (45°))
                                   = (312 / 10000) l/ (s * m²) * 106,07 m²
                                    = 3,31 l/s

 

2. Schritt: Wahl einer passenden Rinne

gewählt aus Tab. 3: halbrund Rinne, Nenngröße 400 mm (QL muss größer Regenwasserabfluss sein)


3. Schritt: Prüfung durch Berechnung des Abflussvermögens der Rinne

Q    = QN *  SF  *  FL *  FR

      = 5,14 l/s * 0,9 * 0,9 * 1,0
      = 4,16 l/s

 

Das Abflussvermögen der Rinne ist mit 4,16 l/s auch nach Einrechnung von FL und  FR noch größer als der Regenwasserabfluss (= 3,31 l/s). Die Rinne ist somit ausreichend dimensioniert.

Beispiel 2:       Flachdach in Passau [r 5,5 = 348 l / (s*ha)]
                        Dachneigung: 0°, intensiv begrünt
                        Länge = 25 m, Breite = 20 m
                        je eine Rinne über die kurze Seite, jeweils 2 Fallrohre je Rinne am Rinnenende
                        Rinnen-Gefälle: 5 mm/m

 

1. Schritt: Berechnung Regenwasserabfluss

Regenwasserabfluss     = Regenspende  * Abflussbeiwert * Dachfläche

                                   = (r 5,5 (Passau) / 10000) * C * A
                                   = (348 l/(s * ha) / 10000) * 0,3 * 500 m²
                                   = (348 / 10000) l/ (s * m²) * 0,3 * 500 m²
                                   = 5,22 l/s

 

2. Schritt: Regenwasserabfluss auf (Teil-) Rinnen aufteilen

2 Rinnen nehmen jeweils die Hälfte des Regenwasserabflusses auf

-> effektive Rinnenlänge je Rinne halbiert sich auf 20 m / 2 = 10 m

-> Regenwasserabfluss je Rinne halbiert sich zu  5,22 l/s / 2 = 2,61 l/s

 

In den Rinnen halbiert sich der Wasserstrom zum jeweiligen Fallrohr.

-> Regenwasserabfluss je Teilrinne halbiert sich auf 2,61 l/s / 2 = 1,31 l/s  

 

3. Schritt: Wahl einer passenden Rinne

gewählt aus Tab. 3: halbrunde Rinne, Nenngröße 333 mm (QL muss größer als Regenwasserabfluss
je Rinne = 2,61 l/s bzw. 1,31 l/s sein)


4. Schritt: Prüfung durch Berechnung des Abflussvermögens der Rinne

Q    = QN *  SF  *  FL *  FR
           
= 2,98 l/s * 0,9 * 1,03 * 1,0
      = 2,76 l/s

 

Das Abflussvermögen einer Teilrinne ist mit 2,76 l/s größer als der Regenwasserabfluss (= 1,31 l/s) und die Rinnen somit ausreichend dimensioniert.

nach oben

 

Innenliegende Rinnen

Innenliegende Rinnen werden meist vor Ort, anhand der baulichen Gegebenheiten bzw. nach Maßgabe des Planers erstellt. Typische Beispiele sind klempnertechnisch hergestellte Trogrinnen, Shed-Rinnen oder Metallrinnen zwischen giebelständigen Reihenhäusern.

 

Die Berechnung der Abflussleistung innenliegender Rinnen wird im 3. Teil dieser Schriftenreihe gesondert dargestellt.

 


Entwässerungsleistung von Fallrohren

Die Entwässerungsleistung eines Fallrohres muss immer im Zusammenhang mit dem Übergang Rinne-Fallrohr und dem Übergang Fallrohr-Grundleitung betrachtet werden. In der Regel haben diese Übergänge mehr Einfluss auf die Entwässerungsleistung als das Fallrohr selbst.

 

In dieser Schrift gehe ich davon aus, dass die Grundleitung kein limitierender Faktor ist. In der Praxis kann man dies nicht zwingend voraussetzen!

 

Bei Fallrohren zum Entwässern vorgehängter Rinnen geht die DIN EN 12056-3 von einem maximalen Füllungsgrad 0,33 aus. Hieraus ergeben sich die in Tab. 5 dargestellten Abflussvermögen.

Anmerkung: Ein Laubsieb im Übergang Rinne-Fallrohr halbiert die Abflussleistung halbrunder Rinnen. Bei Rinnen mit ebener Sohle kann eine Berechnung nach DIN EN 12056-3 Tabelle 7 erfolgen.

 

 

Nenndurchmesser

Abflussleistung

50 mm

1,7 l/s

70 mm

4,1 l/s

100 mm

10,7 l/s

120 mm

17,4 l/s

150 mm

31,6 l/s

200 mm

68,0 l/s

Tab. 5: Abflussleistung von Fallrohren bei Füllungsgrad 0,33

 

Tab. 5 gilt für runde und kastenförmige Rohre, da deren Abflussvermögen bei gleichem Nennmaß in etwa gleich ist. Die Werte stellen absolute Obergrenzen für Fallrohre an Wasserkästen o.vgl. dar.

I.d.R. wird die Abflussleistung vom Übergang Rinne-Fallrohr bestimmt (siehe Tab. 7a + b).

 

Tab. 5 gilt nicht wenn das Fallrohr in Teilstrecken sehr flach verläuft. Die Abflussleistung von Fallrohren mit einem Verzug < 10° muss wie bei Grundleitungen berechnet werden (siehe Tab. 6).

 

 

 

 

 

 

Hinweis: Fallrohre mit halbrundem Segmentbogen werden wie ein Fallrohrverzug < 10° betrachtet

nach oben


Bild: Fallrohrverzug

 

 

Gefälle

                           Abflussvermögen in l/s
DN 60         DN 80        DN 100      DN 120      DN 150

5 mm/m

0,8

1,8

3,3

5,4

9,7

10 mm/m

1,2

2,6

4,7

7,6

13,8

15 mm/m

1,5

3,2

5,7

9,3

16,9

20 mm/m

1,7

3,7

6,6

10,8

19,5

30 mm/m

2,1

4,5

8,1

13,2

24,0

40 mm/m

2,4

5,2

9,4

15,3

27,7

50 mm/m

2,7

5,8

10,5

17,1

31,0

80 mm/m

3,4

7,3

13,3

21,7

39,2

100 mm/m

3,8

8,2

14,9

24,2

43,9

Tabelle 6: Abflussvermögen von Rohren mit Gefälle < 10° und Füllungsgrad = 0,7


Tabellen: Abflussleistung für Rinnen-Fallrohr-Kombinationen

 

Rinne
habrund

Fallrohr
rund

Ablaufleistung
mit Einhangstutzen*

Ablaufleistung
ohne Einhangstutzen

250

80

2,2 l/s

2,0 l/s

280

80

3,0 l/s

2,6 l/s

333

100

5,3 l/s

4,5 l/s

400

120

9,3 l/s

7,4 l/s

Tabelle 7a: Rinne halbrund an Fallrohr rund

*Dient der Ablaufstutzen als Bewegungsausgleicher, hat er nicht mehr den vollen Einlaufquerschnitt!
 In diesem Fall mit den Werten aus der Spalte „ohne Einlaufstutzen“ rechnen.

 

Rinne
kastenförmig

Fallrohr
rund

Ablaufleistung

Fallrohr
kastenförmig

Ablaufleistung

250

80

1,1 l/s

80

1,8 l/s

333

100

2,2 l/s

100

3,5 l/s

400

120

3,7 l/s

120

5,5 l/s

500

150

5,9 l/s

150

9,3 l/s

Tabelle 7b: Kastenrinne an Fallrohr, ohne Einlauftrichter

 

Beispiel 3:  Pultdach in Leipzig [r 5,5 = 365 l / (s*ha)]
                  Dachneigung: 40°, Ziegeldeckung, Trauflänge = 12 m, Sparrenlänge 7,80 m
                  halbrunde Rinne mit 1 Auslass am Rinnenende, kein Gefälle
                  Fallrohr ohne Einhangstutzen, ohne Laubfangkorb

 

1. Schritt: Berechnung Regenwasserabfluss je Dachseite

Regenwasserabfluss     = Regenspende  * Abflussbeiwert * wirksame Dachfläche

                                   = (r 5,5 (Leipzig) / 10000) * C * cos (a) * A
                                   = (365 l/(s * ha) / 10000) * 1 * cos (40°) * (12 m * 7,8 m)
                                   = (365 / 10000) l/ (s * m²) * 1 * 0,77 * 93,60 m²
                                   = 2,63 l/s

 

2. Schritt: Wahl einer passenden Rinne

gewählt aus Tab. 3: halbrund Rinne, Nenngröße 333 mm (QL muss größer als Regenwasser-
abfluss = 2,63 l/s sein)


3. Schritt: Prüfung der Rinne durch Berechnung des Abflussvermögens

Rinne: Q     = QN *  SF  *  FL *  FR
                                   
= 2,98 l/s * 0,9 * 0,9 * 1,0
                  = 2,41 l/s

Das Abflussvermögen der Rinne ist mit 2,41 l/s geringer als der Regenwasserabfluss (= 2,63 l/s) und die Rinnen somit nicht ausreichend dimensioniert. Die „scheinbar“ ausreichende 6-teilige Rinne mit einer Nennentwässerungsleistung von 2,98 l/s hat sich im Nachhinein als nicht ausreichend erwiesen.  Ein erneuter Versuch mit einer 5-teiligen Rinne würde ein korrektes Ergebnis bringen.

 

4. Schritt: Wahl eines passenden Fallrohrs

gewählt aus Tab. 7a: Fallrohr DN 100 ohne Einhangstutzen an Rinne halbrund DN 333 -> Q = 4,5 l/s


Notentwässerung

 

Außenliegende Entwässerungsanlagen werden mit der 5-Jahres-Regenspende r 5,5 dimensioniert.

Falls erforderlich muss die Notentwässerung sicherstellen, dass auch Regenspenden oberhalb der
5-Jahres-Regenspende r 5,5 schadensfrei abgeleitet werden können. Diese Bemessung der Notentwässerung erfolgt mit der 100-Jahres-Regenspende r 5,100.

 

Bei Entwässerungsanlagen mit außenliegender Entwässerung kann die Notentwässerung i.d.R. über die Vorderkante der Dachrinne erfolgen. Anders gesagt: Im Regelfall wird bei Entwässerungsanlagen mit außenliegenden Rinnen keine Notentwässerung benötigt.


Falls überlaufendes Wasser an der Rinnenvorderkante nicht toleriert werden kann, muss die Ablaufleistung der außenliegenden Entwässerungsanlage mit der Jahrhundertregenspende r 5,100 erfolgen.

Q =  ( r 5,100  / 10000 )  *  A

 

mit        Q         = Abflussleistung der Entwässerungsanlage in Liter / Sekunde

            r 5,100      = 5-Minuten-Regenspende die einmal in 100 Jahren erwartet werden muss
            A         = wirksame Dachfläche

 

Achtung: Der Abflussbeiwert C darf nicht auf den Jahrhundertregen angewendet werden!

 


nach oben